So belohnst Du Deinen Hund richtig

Der Sinn von Belohnungen

Waldi rennt schnaubend durch das Unterholz, die Nase nah am Boden. Er genießt den Duft von Hasenpfoten und Tannennadeln. Das Moos kitzelt seine Pfoten und er spürt das pure Glück. Und als das Gefühl von Freiheit kaum noch auszuhalten ist, ertönt ein Pfiff. Sein Mensch ruft ihn. “Nur noch ganz kurz…” denkt Waldi, denn er ist sich sicher, dass der Hase nur noch wenige Schritte entfernt ist.

Bambina sitzt mit großen Kulleraugen neben Franzi, welche im Kinderstuhl mit den Apfelstücken spielt. “Mah!” sagt die kleine Franzi, während sie ein Stück auf den Boden fallen lässt. Bambina erlebt das Geschehen in Zeitlupe, schluckt tief, setzt zum Sprung an und… Mist! Frauchen kommt um die Ecke und ruft laut “Stoooop!”.

Summer ist jung und abenteuerlustig und genießt jede Runde durch die Ortschaft. Es gibt so viel zu entdecken und jedes mal erlebt man etwas spannendes! Dieses Mal kommt sogar endlich mal wieder Benno auf der anderen Straßenseite an den Zaun gelaufen. Er bellt auffordernd: “Hey Summer, was läuft? Komm mal rüber!” Summer würde sich jetzt gerne mit aller Kraft in die Leine hängen, denn Herrchen bekommt mal wieder rein gar nichts mit!

Warum soll ein Hund auf eine bestimmte Handlung verzichten, die er gerade lieber tut? Die Antwort lautet: Motivation!

Wie entsteht schnelles und zuverlässiges Ausführen von Signalen?
Der Hund muss das Signal verstehen und lernen (= Signalkonditionierung). Sonst sind es nur Geräusche, die wir von uns geben, die nett oder unfreundlich klingen. Der Hund reagiert dann höchstens auf die Stimmung). Ist die Stimmung schlecht, unternimmt er Beschwichtigungsversuche, weicht aus oder schalten ab. Ist die Stimmung gut sind „Glückstreffer“ möglich, der Hund bekommt eventuell Spiellaune. Versteht er gar nichts entsteht vielleicht auch eine gewisse Verzweiflung, weil keine Lösung gefunden wird. Auch das führt zu Resignation und Desinteresse.

Ist das Signal gelernt, gibt es zwei Beweggründe für den Hund es auch im Zweifel wirklich auszuführen:

Entweder aus Strafvermeidung (hier merkt sich der Hund sehr wohl, wie gut sein Mensch zu ihm ist und eine freundschaftliche angstfreie Beziehung kann nicht entstehen!) oder Motivation sich eine Belohnung zu verdienen:

Dafür sich 3 Dinge entscheidend:
1. Die „Belohnung“ wird generell auch wirklich als „Belohnung“ empfunden und auch in dieser bestimmten Situation. (Beispiel: Manche Hunde werden in bestimmten Situationen z.B. nicht gern gestreichelt, auch wenn sie es sonst sehr mögen.)

2. Der Hund ist von dieser Sache im Moment der Belohnung noch nicht übersättigt. (Beispiele: Futter, Spiel, Zuneigung)

3. Die zu erwartende Belohnung gefällt ihm besser als die Alternative sein aktuelles Verhalten fortzusetzen (auf den Ball im Maul verzichten für einen Hundekeks) ODER er ist gut und lange konditioniert worden. (Hier z.B. kann auch ein „normales“ Leckerchen die Wurst auf dem Boden ersetzen, da der Hund die Verhaltenskette stark gefestigt hat.)

Damit ein Hund die Belohnung mit seiner Handlung verknüpft, sollten Sie so wenige Sekunden wie möglich zwischen Handlung und Belohnung dafür verstreichen lassen! Am besten nicht mehr als 3 Sekunden!

Man spricht von Positiver Verstärkung, wenn auf ein Verhalten ein Ereignis in der Umwelt des Organismus folgt und die Auftretungswahrscheinlichkeit dieses Verhaltens daraufhin steigt. Was ein positiver Verstärker ist, kann nur an den Folgen, die er für die Auftretungswahrscheinlichkeit des Verhaltens hat, erkannt werden.“ (Auszug Wikipedia)

In der Hundeerziehung bedeutet das, dass Belohnungen, die ein Verhalten tatsächlich verstärken, sehr unterschiedlich sind. Sie unterscheiden sich von Hund zu Hund und auch in jeder einzelnen Situation. Es ist nicht wichtig, was der Mensch als Verstärker einsetzen möchte, sondern was der individuelle Hund in einer bestimmten Situation als Belohnung empfindet.

Bedürfnisorientiertes belohnen... im Alltag!

Welche Belohnungen sucht sich Dein Hund im Alltag selbst aus? Was motiviert ihn bestimmte Handlungen zu vollziehen und Entscheidungen zu treffen? Gibt es Dinge, die ihn antreiben, die Du vielleicht noch gar nicht bewusst als Belohnung wahrgenommen hast?

Wenn Du Bedürfnisse stillst und die ganz eigenen Interessen Deines Hundes berücksichtigst, belohnst Du ihn am effizientesten und motivierst ihn von Tag zu Tag mehr.

Ich empfehle Dir in den nächsten Tagen mal bewusst darauf zu achten, was Dein Hund im Alltag gerne mag und gerne macht, was ihn antreibt und worüber er sich freut. Egal ob es von Dir kommt oder nicht. Deine Erkenntnisse kannst Du gerne in den Kommentaren mit uns teilen!

Übrigens gibt es auch die Möglichkeit Deinem Hund Belohnungen anzukündigen / anzubieten, in dem Du sie über einen längeren Zeitraum hinweg immer benennst, wenn sie gerade präsent ist. Beispielsweise sagst Du “Kraulen” während Du Deinen Hund kraulst. So kannst Du, wenn er auf dem Weg zu Dir, ist irgendwann “Suuuper! Kraulen?” sagen und schon an seiner Reaktion ablesen, ob es die richtige Wahl der Belohnung war. Weicht er aus oder guckt er demotiviert aus der Wäsche, kannst Du so für das nächste Mal viel dazu lernen. Und sagen wir mal, es ist eine Belohnung für Deinen Hund, an Dir hochspringen zu dürfen oder zwischen Deinen Beinen einzuparken (vorausgetzt das ist auch für Dich okay), kannst Du ihm als Belohnung für das Herankommen beispielsweise auch das anbieten.

Diese Herangehensweise funktioniert vor allem mit den Belohnungen gut, die bedürfnisorientiert sind, d.h. sich nach den Vorlieben und aktuellen Bedürfnissen Deines Hundes richten und die er als Belohnung stillen darf. Bei Ida verwende ich das zum Beispiel gerne auch bei Spielzeugbelohnungen “Zerren?”, “Werfen?” oder “Tragen?”, je nach dem, ob ich gerade ein gutes Gefühl dabei habe. Variable, positiv überraschende Belohnungen können Deinen Hund stark motivieren!

Fazit: Wer seinen Hund zur Zusammenarbeit motivieren will, sollte seine Bedürfnisse kennen und bemüht sein, diese auch zu befriedigen. Hier bekommst Du eine Forschungstabelle für ein noch größeres und spannenderes Belohnungs-Repertoire.

Wer seinen Hund positiv beeinflussen und unterstützen will, muss auch seine Interessen kennen und wahren.

Schreibe einen Kommentar

Menü schließen