Ist “spielen lassen” immer gut?

Den eigenen Hund mit Artgenossen spielen lassen, ist es nicht einfach wunderschön?

…Wenn sie rennen, springen, fast schon lachen? Natürlich! Trotzdem gibt es einiges zu beachten! So vieles kann dabei falsch laufen. Hier ein paar häufige Fehler, die Hundebesitzer machen:

Jeder Hund ist ein Spielpartner

Lernt ein Hund, dass Hundebegegnungen immer im Spiel enden, wächst eine große Erwartungshaltung in ihm heran. Das bedeutet, dass jeder neue Hund gleich eine emotionale Party in unserem Hund auslöst. “Juhu! Endlich geht’s los!” Diese Gefühle erleben wir Menschen aber irgendwann nicht mehr als all zu schön. Nämlich dann, wenn unser Hund ungeduldig zieht, aufgeregt bellt, sich nicht mehr zum Weitergehen bewegen lassen will und das dann womöglich auch noch bei einem fremden Hund, der darauf absolut keine Lust hat. Besser ist, wenn man seinem Hund beibringt erst mal brav an allen begegnenden Hunden vorbei zu gehen und nur in etwa der Hälfte der Fälle danach noch für ein Spiel abzuleinen.

Spielen an der Leine

Bei Hunden, die sich kennen und lieben, mag dieser Punkt nicht wirklich entscheidend sein. Doch es passiert häufig, dass Menschen sogar fremde Hunde an der Leine schnuppern lassen und diese beim Kennenlernritual Knoten in die Leine flechten. Dies hat nicht nur zur Folge, dass die Hunde plötzlich aneinander gefesselt sind und sich beim Loslaufen verletzen könnten, sondern auch dass die unangenehme “Gefangenschaft” in der Nähe des anderen Hundes zu einem mehr oder weniger ernsten Konflikt zwischen den Hunden führen kann. Wenigstens ein Hund sollte beim Kennenlernen frei sein, damit dies nicht passiert. Ist ein Hund unsicher, sollte man ihn besser nicht an der Leine festhalten, wenn ein anderer Hund ihn bedrängt – denn er kann so nicht weg und ein Angriff ist dann seine letzte Chance den Konflikt zu lösen!

“Die machen das unter sich aus”

Natürlich sollte man nicht andauernd dazwischen funken, wenn zwei Hunde schön spielen oder sich gerade beschnuppern. Allerdings ist der Glaube, dass die Hunde alles alleine regeln können, sehr weit her geholt. Hunde, die sich kennen und verstehen(!), kann man selbst im Konflikt auch einfach erst mal kurz beobachten. Häufig klärt sich dieser auf diese Weise viel effektiver und ist gut für die Sozialkompetenz der Hunde.

Ist allerdings…
…keine Lösung in Sicht,
…eine generelle Unsympathie unter den Hunden zu erkennen,
…einer der Hunde körperlich oder zahlenmäßig unterlegen,
…oder einer der Hunde eher schlecht sozialisiert und unsicher im Umgang mit anderen Hunden, sollte man unbedingt dabei bleiben und die Hunde trennen, bevor eine Situation sich zuspitzt! Dabei merkt der eigene Hund auch, dass er sich auf einen verlassen kann und das ist sowohl für die Beziehung als auch für die Gelassenheit des Hundes sehr sehr wichtig!

Mythos Welpenschutz

Innerhalb einer Hundefamilie mag es eine Art Narrenfreiheit für kleine freche Fellknäuel geben, doch in der freien Wildbahn? Sicher nicht! Dies liegt aber nicht daran, dass Hunde zwangsläufig eine Konkurrenz in dem kleinen Hundebaby sehen, sondern viel mehr daran, dass es einfach verdammt viele schlecht sozialisierte Hunde gibt! Ist ein Hund unsicher im Umgang mit Hunden und wartet womöglich nur darauf, sich mal groß und stark zu fühlen, kann ein Welpe zur perfekten Zielscheibe für Aggressionen werden. Auch dieses schnelle, tapsige, unvorhersehbare Verhalten von Welpen bringt viele Hunde einfach auf die Palme. Wenn man einen Welpen hat, sollte man deshalb absolut nicht jeden Hundekontakt zulassen. Sieht ein Hund schon eher weniger freundlich aus, sollte man einfach im Bogen vorbei gehen. Es gibt viele toll sozialisierte, geduldige und vielleicht sogar welpen-erfahrene Hunde. Diese Art von Hund macht dem Welpen nicht nur mehr Spaß, sondern bringt ihm wesentliche Eigenschaften für später bei.

101 Hundefreundschaften

Für viele Hundebesitzer ist es ein Zeichen für die Liebe zum eigenen Hund, wenn sie ihrem Hund so viele Hunde wie möglich “servieren”. Am liebsten würden sie sogar noch in die nächste Großstadt fahren und ihrem Hund die Möglichkeit geben, sich in einem gigantischen Hundefreilaufpark mit den anderen auszupowern. Doch wenn man diese Hunde sieht, sieht man ihnen ganz oft großen Stress an. Das liegt daran, dass Hunde zwar andere Hunde mögen, dabei aber eher auf langfristige Beziehungen ausgelegt sind. Das heißt, dass Hunde mit neuen fremden Hunden erst mal extrem viel Arbeit haben und auch ganz oft mit Hunden zu tun haben, die ihnen gar nicht so gut gefallen. Dieser nette Versuch des Konfliktlösens sieht für viele dann aus, wie ein aufregendes Spiel! Eine innige Beziehung entsteht nur mit manchen Hunden und auch nur dann, wenn sie diese oft genug sehen. Deshalb möchte ich im Namen aller Hunde etwas mitteilen: Qualität ist besser als Quantität! Lieber eine Hand voll tolle Kumpels, als unzählige flüchtige und teilweise anstrengende Bekanntschaften.

Das war es erst mal. Ich wünsche viel Freude mit Eurem Hund und seinen liebsten Hundekameraden!

Neben Sicherheit und Auslauf braucht Dein Hund auch Nahrung: Für den Bauch, für den Kopf und für das Herz.

Schreibe einen Kommentar

Menü schließen