Freundschaftliche Führung – Geht das überhaupt?

Freundschaftliche Führung – Geht das überhaupt?

Mit diesem Blogartikel nehme ich an der Blogparade „FAIR statt fies“ teil, eine Gemeinschaftsaktion der deutschsprachigen Hundeszene (vom 16.10. – 19.11.2019). Auf dieser Seite findest Du all die dabei entstandenen Artikel rund um modernes und faires Hundetraining.

Gemeinsam mit der Initiative für gewaltfreies Hundetraining hat Sunny Bennett sie 2017 ins Leben gerufen, genauso wie die Aktion Tausche Ticket gegen Trainingbei der man bei teilnehmenden Hundetrainern sein TV-Trainer-Ticket gegen ein GRATIS-Hundetraining eintauschen kann. Ich mache übrigens natürlich auch mit bei dieser Tauschaktion!

Hier kommt mein Beitrag zum Thema

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Freundschaft und Führung - Wie passt das zusammen?

Ein kleines Beispiel aus der Freundschaft zwischen zwei Menschen

Alexandra und Paula fliegen zusammen nach New York. Alexandra war schon drei Mal dort und kennt sich gut aus. Sie weiß, welche Geschäfte und Lokale gut sind und um welche Straßen man besser einen Bogen machen sollte. Je nach dem, wie Alexandra tickt, können nun zwei Szenarien entstehen. 

1. Variante: Alexandra überlässt Paula so gut wie alle Entscheidungen und zieht sich komplett raus. Paula muss alles alleine herausfinden und jede Erfahrung selbst machen. 

2. Variante: Alexandra zeigt Paula alles und führt sie durch die Stadt. 

Was macht nun mehr Sinn? Gibt es auch eine Mitte? Und sind die zwei Frauen in der zweiten Variante noch Freunde oder steht Alexandra nun über Paula?

Und wie reagiert Alexandra bei der ersten Variante, wenn Paula etwas falsch macht? Hilft sie ihr oder macht sie ihr einfach nur Vorwürfe? Wird Paula für gute Ideen gelobt? Schreitet Alexandra ein, wenn Paula doch mal überfordert ist und hilft ihr? Wie zeigt Alexandra bei der zweiten Variante, „wo es lang geht“? Liebevoll und geduldig? Oder forsch und ungeduldig? Geht sie auch mal auf Paulas Bedürfnisse und Wünsche ein, wenn diese von Alexandras Vorstellungen abweichen?

Auch ein Freund kann einen anderen mal führen, wenn er sicherer bei etwas ist. Es macht Sinn, denn es gibt Halt und unterstützt den unsichereren Freund. Und das kann sich durchaus auch mal abwechseln – auch in einer Mensch-Hund-Beziehung.

Wie sieht freundschaftliche Führung von Hunden aus?

Auf das richtige Maß kommt es an

Wie viel man führen sollte, ist immer eine Frage des Gegenübers. Finde heraus, wie viel Unterstützung und Halt Dein Hund benötigt und wie viel Freiraum er braucht, um sich auch selbst weiterzuentwickeln. Ein Freund, der einem kaum Luft zum atmen lässt, kann genauso schlimm sein, wie ein Freund, der einen immer alleine lässt, wenn man ihn braucht.  

Und wenn man von jemandem geführt wird, ist es auch sehr entscheidend, wie dessen Führungsstil ist. Ist es ein gelassener, fairer und konstruktiver Umgang? Oder wird die machtvollere Position ausgenutzt, um Dampf abzulassen? Einen sehr emotionalen, teils unfairen Menschen mit hohen Erwartungen will wohl keiner zum Anführer haben – weder für eine Städtereise, noch im Job und auch nicht als Herrchen oder Frauchen.

Einen Menschen, der einen an der Hand beziehungsweise Pfote nimmt, wenn man ihn braucht und gemeinsam den Herausforderungen des Lebens trotzt, hätte wohl jeder gerne.

Wie kann ich meinen Hund so führen, dass er sich dabei wohl fühlt?

An dem Beispiel von Alexandra und Paula könnte das so aussehen, dass Alexandra Paulas Wünsche und Bedürfnisse auslotet und ihr auch kleinere Entscheidungen offen lässt. „Willst Du zu dem guten Inder um die Ecke oder sollen wir ein Stück mit dem Taxi fahren und in eine Sushibar gehen?“ So muss Paula nicht zwischen tausenden Möglichkeiten wählen, hat aber trotzdem Entscheidungsspielraum.

Wichtig ist, dass Alexandra sie mit ihrer eigenen Begeisterung ansteckt und sie nicht führt, um „Anführerin“ zu sein, sondern um ihr etwas Gutes zu tun und ihr eine gute und sichere Reise zu ermöglichen. Und natürlich, um für ein möglichst schönes Miteinander zu sorgen. Das ist eine große Verantwortung, in die so mancher erst hineinwachsen muss.

Wenn Alexandra diese verantwortungsvolle Rolle authentisch erfüllt, wird Paula ihr auch vertrauen, wenn sie mal ganz klar sagt: „Nein, da gehen wir nicht rein!“ Paula wird sich denken, dass es dann schon Gründe dafür geben wird und sich auf Alexandras bessere Vorschläge einlassen. Und das ohne sich dabei eingeschüchtert oder gar ängstlich zu fühlen – ganz im Gegenteil.

Was ich auch wichtig finde, ist positives Feedback. Wenn Paula von Alexandra immer wieder hört, dass sie gute eigene Ideen hatte und sinnvolle Entscheidungen getroffen hat, hilft ihr das enorm dabei, sich sicherer zu fühlen und auch selbständiger zu werden. Meiner Meinung nach haben auch Hunde verdient ein möglichst selbstbestimmtes Leben zu führen. Je besser wir sie auf eigene GUTE Entscheidungen vorbereiten, umso weniger Führung brauchen sie langfristig und umso entspannter ist unser Zusammenleben. Denn wer will ihn nicht, den sogenannten „Selbstläufer“. Diesen kann man sich genauso heranerziehen wie einen „Befehlsempfänger“… und was ist jetzt mehr wert?

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Deine Führungsqualitäten sind wie Diamanten...

…man erkennt ihren Wert erst, wenn sie „aus der Fassung“ gebracht werden.

Ein Juwelier schätzt den Wert eines Diamanten am besten ein, wenn er ihn vorher aus der Fassung nimmt. Wenn Du aus der Fassung gebracht wirst, wie verhältst Dich da? Handelst Du immer noch im Sinne Eurer Freundschaft?

Auch bei Unstimmigkeiten zwischen Mensch und Hund, wie zum Beispiel beim Anspringen, kann man das Beispiel der zwei Frauen für ein besseres  Verständnis nutzen. Wenn Paula Alexandra in ihrer Begeisterung immer ganz fest in den Arm nehmen und drücken würde, sodass Alexandras Wirbelsäule zu brechen droht, wie könnte sie das nett und trotzdem ehrlich lösen? Sie sollte ihr zunächst mitteilen, dass ihr das weh tut („Aua!“) und sich möglichst rechtzeitig abwenden. Und sie sollte Paula erklären, was ihr besser gefallen würde.

Im Falle des Hundes kann man dies dadurch erreichen, dass man seine besseren Ideen belohnt und der Einfachheit halber auch noch ein Wunschverhalten trainiert und dieses schon vor dem Hochspringen abruft. Schau zum Beispiel mal hier.

In einer guten Freundschaft gibt es keinen Grund gleich wütend zu werden und zu schimpfen. Man erkennt, dass der Freund aus seiner Perspektive nichts Falsches tut und kann eine gemeinsame Lösung suchen.

Doch, um so einen Umgang zu etablieren gehört auch jede Menge eigene Reife. Auch hier passt das Sinnbild mit dem Diamanten sehr gut. Je mehr Feinschliff er bekommt, umso wundervoller und wertvoller wird er. Gehe nicht nur bewusst mit Deinem Hund um und trainiere ihn – mache das genauso auch mit Dir selbst.

Ein guter Anführer ist liebevoll, verständisvoll, sicher und entspannt

Mit einem Reiseführer mit diesen Eigenschaften würdest Du sicher sofort nach New York fliegen, stimmt’s? Und wenn dieser sich auch noch voll auf Dich und Deine Bedürfnisse einlässt, dann bist Du bestimmt so begeistert, dass Du vielleicht auch danach gar nicht mehr aufhören willst, ihm zu folgen.

Was ich Dir mit diesem Blogartikel vermitteln will: Führung ist nichts Schlechtes, WENN man darauf verzichtet, andere kleiner zu machen, um respektiert zu werden.

Wenn sich ein Hund nicht an seinem Menschen orientiert, dann nicht, weil er zu groß oder „dominant“ ist, sondern weil er noch nicht weiß, dass er es kann.

Wenn ich selbst wachse, bessere Entscheidungen treffe, innere Stärke entwickle, dann orientiert sich mein Hund sehr gerne mehr an mir. Er muss eben nur einen Sinn darin erkennen und vielleicht auch die Zeit bekommen sich an bestimmte Situationen zu gewöhnen. Nicht jeder kommt gleich schnell in New York zurecht und nicht jeder vertraut sich anderen sofort an! Lasse Dich auf Deinen Hund ein, entdecke die Chance in den Herausforderungen mit ihm und wachse mit ihm zusammen.

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Das Leben ist wie Poker. Du kannst nicht bestimmen, welche Karten Du bekommst. Aber Du kannst beeinflussen, wie Du mit ihnen spielst.

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